Historisches zur Soldatenkameradschaft
Aus der Geschichte des Kriegervereins Kirchhundem
Wie in den Nachbarorten Altenhundem und Oberhundem wurde auch in Kirchhundem vielfach der Wunsch laut auf Zusammenschluss der früheren Soldaten zu einem Kriegerverein. Nach mehreren Vorbesprechungen fand am 1.März 1896 in der Wirtschaft Graf die Gründungsversammlung statt. 20 ehemalige Soldaten, darunter zahlreiche Mitkämpfer aus dem Kriege 1870/71 nahmen an der Versammlung teil. Als Vorsitzender wurde Gerichtsvollzieher Romberg gewählt. Der Besitzer des Gutes Vasbach und Amtmann des Amtes Kirchhundem, Fritz Brüning, wurde zum Ehrenpräses ernannt. Das Gründungsprotokoll ist im Original erhalten.
Das Vereinsleben gestaltet sich überaus rege, das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Die Mitgliederzahl stieg auf mehr als 300. Dabei st zu bedenken, dass Kirchhundem in der Zeit der Gründung des Vereins etwa 700 Einwohner hatte. Aber aus den Nachbarorten Hofolpe, Heidschott, Flape, Emlinghausen, Wirme, Brachthausen, Herrntrop, Würdinghausen und Albaum schlossen sich ehemalige Soldaten dem Verein an. Was Wunder, dass das schon im Jahre 1896 und in den folgenden Jahren veranstaltete Kriegerfest freudig begrüßt und sehr gut besucht wurde. Diese Feste fanden an zwei Tagen auf dem historischen Hofacker in Kirchhundem, in einem eigens dazu errichteten Tuchzelt statt. Dort, wo sich heute Haus an Haus reiht, war eine als Festplatz sehr geeignete Wiese. Von der Erwes-Brücke bis zum Haus Franz Donner stand kein Haus. Das Fest des Jahres 1902 erlitt einen harten Schlag insofern, als am Vorabend, dem 26.Juli ein schweres Gewitter niederging. Ein Wirbelsturm fegte das bis auf den letzten Nagel fertiggestellte Tuchzelt zu Boden. Noch am gleichen Abend begann die Wiederaufbauarbeit behelfsmäßig, das Fest konnte aber gefeiert werden. Dieser Vorfall gab dem schon oft geäußerten Wunsch auf Errichtung einer festen Halle neuen Auftrieb. Schon am 10 August 1902 fanden unter Anwesenheit des Ehrenpräses Brüning die ersten Vorstandsbesprechungen über den Bau einer neuen Festhalle statt. Wenn die Baupläne erst im Jahre 1906 zur Ausführung gelangten, zeugen die Versammlungsniederschriften im Protokollbuch davon, dass die zu überwindenden Schwierigkeiten recht groß waren.
Am 12. August 1902 feierte der Verein das Fest der Fahnenweihe. An diesem Tag marschierten in Kirchhundem 700 Männer aus dem Kreiskriegerverband Olpe auf. Major Ernst hielt die Weiherede. Im Monat Juli 1903 mussten wir unseren Amtmann Brüning zu Grabe tragen. Zum Ende des Jahres 1905 waren die Vorbereitungen soweit gediehen, dass der jetzige Festplatz vom Vereinswirt Cordes für 5500 Mark gekauft werden konnte. Die Bauarbeiten wurden den Bauunternehmern Jaspers übertragen. Die erforderlichen Geldmittel wurden gegen Bürgschaft ausgeliehen. Sieben Kameraden und der Vereinswirt übernahmen die Bürgschaft. Die Abdeckung der Anleihen geschah planmäßig. An dem Neubau und auf dem Festplatz begann eifriges Arbeiten. Zum Lobe vieler Kameraden aber auch mancher Bürger muss gesagt werden, dass sich viele Hände zur Instandsetzung des Platzes und den Vorbereitungen zur Einweihung der neuen Halle, die am 1. und 2. August 1906 stattfand, regten.
Nach dem ersten Weltkriege benutzte sie eine österreichische, motorisierte Batterie als Quartier, auch Pferde wurden eingestellt. Das Gebäude hat dadurch sehr gelitten.
Von den Vorsitzenden verdienen zwei Namen besonders hervorgehoben zu werden: Emil Wirth, Vorsitzender von 1903 bis 1919 und von 1952 bis heute, führte unter seiner Leitung und Verantwortung den Festhallenbau durch, und erreichte 1954 beim Oberlandesgericht in Celle die Freigabe der von der Militärregierung beschlagnahmten Festhalle. Heinrich Nöcker, Vorsitzender von 1921 bis zu seinem Tode im Jahre 1939. Unter seiner Leitung und Verantwortung baute der Verein am Fuße der hohen Töte ein würdiges, herrlich gelegenes Ehrenmal. Das Denkmal ist aus heimischen Steinen erbaut. Hiesige Künstler haben es geschaffen, es darf wohl mit Recht als eines der schönsten des Sauerlandes bezeichnet werden. Das Denkmal wurde am 5. September 1926 unter ungewöhnlich starker Beteiligung des Kreiskriegerverbandes und der Bevölkerung eingeweiht. Major Ernst, Attendorn, und Landrat Freusberg, Olpe, hielten Weihereden. der Kostenvoranschlage für diese Denkmal betrug 20.000 Mark. Mitglieder des Kriegervereins und Teile der Bevölkerung brachten erhebliche Opfer an Arbeit und Geld.
In der NS-Zeit wurde der Verein, wie alle übrigen Soldatenvereine, gleichgeschaltet. Der Vorsitzender wurde Kameradschaftsführer. In den Zielen und der Tätigkeit des Vereines änderte sich nichts. Bei gemeinsamen Aufmärschen, Beerdigungen usw. kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen mit den Parteiformationen. Während des Zweiten Weltkrieges brachte die Gewerkschaft Sachtleben französische Kriegsgefangene in der Halle unter. Mit dem Ende des Krieges wurde des Kriegerverein Kirchhundem faktisch aufgelöst. Alles Vermögen, also auch die Festhalle mit dem Inventar wurde beschlagnahmt. Nach Abzug der Franzosen überließ die Militärregierung die Festhalle einem Industriebetriebe. Das Bauwerk litt innen und außen sehr. Ein Treuhänder hatte die Verwaltung. Dann trat jedoch der Heimatschutzverein in Kirchhundem in Erscheinung. Über seine Erfolge wird an anderer Stelle berichtet.
Als zum Anfang des Jahres 1952 wieder Soldaten- und Kriegervereine gegründet werden durften, und als unter gewissen Vorraussetzungen gesperrte Vermögen wieder zurückerstattet werden konnten, versammelten sich am 12. Juni 1952 im Lokal Paul Cordes 37 alte Soldaten, darunter 22 Mitglieder des aufgelösten Kriegervereins. Sie bildeten mit allen Stimmen als Nachfolgekameradschaft dieses Vereins die Soldatenkameradschaft Kirchhundem. Vorsitzender wurde Emil Wirth. Als die Eintragung dieses Vereins in das Vereinregister beim Amtsgericht vollzogen war, ging unter dem Datum des 26. Juni 1953 ein Antrag auf Rückerstattung des Vereinsvermögens den Allgemeinen Organisationsausschuss in Celle ab. Am 25. März 1954 entschied das Gericht in Celle in Anwesenheit von Wirth, Siebert und Ernst Henrichs dass diesem Antrag entsprochen werden solle. Bereits am 29. Oktober 1954 schlossen die Vereine Soldatenkameradschaft und Heimatschutzverein vor dem Notar Brüggemann einen Vertrag, wonach die Festhalle den beiden Vereinen je zur Hälfte gehören soll. Die Verwaltung wird einem Ausschuss übertragen, zu dem jeder der beiden Vereine je drei Vorstandsmitglieder bestellt. Damit sind die durch den Krieg entstandenen Schwierigkeiten beseitigt.
Die alte Fahne des Kriegervereins war in den letzten Kriegstagen beim Brand des Vereinslokals mitverbrannt. Eine Sammlung zur Beschaffung einer neuen Fahne in der Bürgerschaft hatte einen großen Erfolg. Die von der Bonner Fahnenfabrik angefertigte Fahne wurde am 29. Mai 1954 eingeweiht. Die Weiherede hielt Rektor Stakemeier-Ennest. Bei derselben Feier wurde auch das Ehrenmal neu eingeweiht. Die Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges waren inzwischen auf einer neuen Tafel mit denen des ersten Weltkrieges vereinigt. Die Tafel enthält nun 143 Namen der Gefallenen und Vermissten aus den Orten Kirchhundem, Flape, Berghof und Bettinghof. Bei der Einweihungsfeier sprachen Landrat Metten, Dechant Grafe und Pfarrer Ziesen. Die durch den Krieg und die Nachkriegsjahre verwahrloste Umgebung des Ehrenmals wurde mit erheblichen Aufwendungen in einen würdigen zustand versetzt. Die Aufwendungen für diese Arbeit betrugen fast 5000 DM. Die Bürgerschaft hat diese Summe in dankenswerter Weise aufgebracht.
Die Kameradschaft ist inzwischen auf 120 Mitglieder angewachsen.
(Aus dem Festbuch zum 60-jähreigen Bestehen der Soldatenkameradschaft Kirchhundem)

Kirchhundem
Was ich Euch, liebe Krieger, von Kirchhundem erzählen muß, werdet Ihr garnicht glauben wollen; es klingt in der Tat so unglaublich, werdet Ihr denken, was uns heute unser Pastor erzählt, daß derartiges nicht in Kirchhundem geschehen sein kann. Hier in Kirchhundem laufen nämlich jetzt Männer durch die Straßen mit langen scharfgeschliffenen Messern in der Hand und einem dicken Holzhammer auf dem Rücken; diesen voraus eilen Karren mit sargähnlichen Kästen; dieser Troß drängt sich mordgierig in die Wohnungen der friedliebenden Kirchhundemer Bürgern, ergreift dort den so friedlich schlummernden, schnarchenden Bewohner, reißt ihn ganz unsanft an den Ohren aus seinem teueren, liebgewordenen Heim draußen vor die Türe, wirft ihn unbarmherzig auf den Rücken, und setzt ihm das lange Messer an die Gurgel. Jetzt erst merkt der Arrestant, daß es ihm ans Leder geht, er schreit aus Leibeskräften, er "strampelt" was er kann, aber er ist zu spät zur Einsicht gekommen, er stirbt an Verblutung. Doch damit sind die Grausamen noch nicht zufrieden: sie reißen ihm die Eingeweide aus und hängen den armen Schelm noch draußen vor seinem eigenen Hause an allen Vieren zum abschreckenden Beispiel für seine Kollegen auf der Leiter auf, in der Dunkelheit fallen sie dann über Ihn her, zerhacken ihn in 1000 Stücke und fressen ihn ganz auf mit Haut und Knochen. Da werdet Ihr mit Grausen denken, wenn das aber jetzt so in Kirchhundem aussieht, dann gehe ich mein Leben nicht wieder dahin,; da sind die Russen doch die reinsten Engel gegen. Gibt's denn keine Polizei mehr ? Oh gewiß ! Ihr kennt sie alle so gut diese treuen Sorger für irdische Gerechtigkeit, unsern Berg und Behle; ja Ihr wißt es, wenn diese mal einen jungen schwersten Kalibers zu packen haben, der sich ihrer Hand zu erwehren sucht, springt auch heute noch immer hilfsbereit unser biederer alter Gerichtdiener Hüpping herbei; und wenn diese 3 einen fassen, ist er geliefert. Doch allzusehr, liebe Krieger, brauchet Ihr doch noch nicht zu beben wegen der hierorts herrschenden Schlächtereien, vorläufig sind es doch nur Schweine, mit denen man in der geschilderten Weise verfährt, und da geht es beim besten Willen nicht anders; denn Ihr wollt doch alle zu Weihnachten eine frische Wurst haben, nun wie zu Hause können sie auch noch beißen. Ihr müßt Euch blos nicht wundern, liebe Krieger, wenn dieses Jahr die Weihnachtswurst ein bisschen dünn geblieben ist. Kommt da dieser Tage auch der Schlächter zu einem glücklichem Schweinebesitzer, um dessen "Kiwecken" das Testament zu eröffnen. Als er in den Salon des armen Todesopfers eintritt, macht er den Besitzer aufmerksam, er möge doch lieber erst das Hühnerloch da hinten in der Ecke zu machen, damit das Tierchen nicht entweiche. Und richtig ! Kaum hat man Hand angelegt...da: Ein Sprung, ein kurzer Erlösungsseufzer, Metzger und Geselle zeigen mit allen Vieren nach der Ecke, und husch ! Das Tierchen hat durch das rettende Hühnerloch die Freiheit gefunden. On man jetzt noch das Todesurteil an Ihm vollzogen hat, das höre ich vielleicht bis zum nächsten Blättchen. Also getrost ! Wenn Euer sorgendes Mütterchen oder Frauchen Euch nur ein ganz schmales Weihnachtswürstchen schickt ! -
Mit den innigsten Weihnachtsgrüßen Euer Pfarrer Minze

Kirchhundem
Liebe Krieger ! Euer Weihnachtswürstchen habt Ihr gewiß jetzt alle schon erhalten und vielleicht mit perlender Träne im Auge beim Gedanken an das sorgsame Mütterchen seinem Bestimmungsort übergeben. Zwar wäre es Euch vielleicht nicht so sauer geworden, einen noch mal so langen Riemen zu verzehren, aber Ihr habt Euch sicher damit getröstet: " Die Kleinen sind nun einmal in diesem Jahre alle nicht groß." Ihr konntet wenigstens einmal mit "schmäirigen Miüle iut dim Finster käiken", wie der Sauerländer sagt, wenn er geschlachtet hat, vorrausgesetzt, daß Ihr in Eurem Unterstand ein Fenster habt. Doch richtig ! Fällt mir da gerade ein, daß ich Euch noch Nachricht geben wollte über die Irrwege das so glücklich durch das Hühnerloch entschlüpften "Kiwekens". Machte da dieser Tage einen Spaziergang an der Töte und gehe den Philosophenweg entlang bis ich zu der Stelle komme, wo vor Jahren die durstigen Kirchhundemer, als die Bewohner in den Seitentälern der Hundem sich gierig auf das Wasser stürzten und infolgedessen in Kirchhundem selbst das teure Element etwas knapp wurde, nach Wasser forschten um Ihre Wassersucht zu heilen. Während ich da betrachtend in der Abendstille des Waldes hinunterschaue in die gähnende Tiefe, vernehme ich unter mir etwas seitwärts ein Rascheln im Laube, dann deutliche Sturmschritte, und wie ich ein wenig den Weg entlang schaue, husch; da rennt eine weiße Gestalt quer über den Weg direkt in das Tannendickicht. Hören tat ich weiter nichts mehr als nur den Ton eines wirklich zufriedenen, frohen Grunzens, aus dem ich aber die Sprache vernahm: " Wir Wilden hier oben sind doch die besseren Menschen". Wißt Ihr, meine lieben Krieger, ich bin grad nicht so ganz ängstlich, aber ich bekam doch ein wenig das gruseln; und wenn ich nicht an der "unschuldigen" Töte gewesen wäre, sondern da oben vor Oberhundem, wißt Ihr an der Adolfsburg, wo bei dem kleinen Stationshäuschen der Weg durch die schmale Talschlucht anch Rinsecke führt, dann würde ich gesagt haben. nein ! Hier ist es nicht richtig ! Hier spukt's ! So aber, wo es an der Töte war, kann ich mir keine andere Erklärung für diese sonderbare Erscheinung geben, als: das kann nur unser "Kiweken" gewesen sein. - Heute haben wir den ältesten Bürger unseres Ortes zur letzten Ruhe gebettet, den Zimmermann Peter Saße, der nahe 88 Jahre alt geworden ist.- Für das Kriegskirchenfenster sandten herrliche Gaben: Ditzer, Hansknecht, Joseph Nöcker und Friedrich Neuhaus; worüber hier herzlichst dankend quittiert wird. Also Mut ! Eine Scheibe ist schon da ! - Möge der Friedensengel zu Neujahr uns allen die Palme des Friedens reichen !
Solches wünscht Euch von ganzem Herzen Euer Pfarrer Minze
Es fliegt empor der deutsche Aar
Schlägt zornig mit dem Flügelpaar
Durchs ganze Land erschallt sein Schrei
"Ihr deutschen Männer eilt herbei!
Hört, wie im Westen und im Ost
ein Kriegsgeschrei das Land umtost.
Es lodert auf des Hasses Glut,
es kocht und kreischt der Feinde Wut."
Und deutsche Recken springen auf,
die Hand greift nach des Schwertes Knauf.
"Wo ist der Feind des uns bedroht ?
Wohlauf zum Kampf bis in den Tod !"
Hei ! Wie ein Schwerterklingen dröhnt !
Wie Kriegsgesang durchs Land ertönt!
Begeisterung und Kampfeslust
durchglühet jede deutsche Brust.
Bald steht im Osten und im West
ein Wall wie Eisen stark und fest.
So oft auch tobt die wilde Schlacht,
an ihm zerschellt des Feindes Macht.
Zieh ruhig Aar nur deine Bahn,
kein Feind darf deinem Horste nah'n.
In Treue kämpft fürs Vaterland
des deutschen Mannes starke Hand.
(ebenfalls aus "Grüße aus dem Lenne- und Hundemtale
Nachrichten aus der Heimat für unsere Sauerländer Soldaten v. 29. Dez. 1915")